Makrophagen fressen lebende Melanomzellen am Tumorrand

Makrophagen fressen lebende Melanomzellen am Tumorrand

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Ein kleines Drama spielte sich unter dem Mikroskop ab: Immunzellen näherten sich, dann verschlangen sie langsam ganze lebende Melanomzellen. Eine einzige Sequenz von Aufnahmen veränderte eine lange gehegte Annahme darüber, wie unser Körper Krebs kontrolliert.

Forscher am Garvan Institute of Medical Research in Sydney nutzten intravitale Zwei-Photonen-Mikroskopie, um zu beobachten, wie eine spezifische Untergruppe von Makrophagen (die das Protein CD169 exprimieren) lebende Melanomzellen bei Mäusen umkreist und aktiv aufnimmt. Das sind nicht die langsamen Aufräumtruppen, die erst hinterher Trümmer beseitigen. Diese Zellen greifen lebende Tumorzellen an und nagen am Krebs entlang des Tumorrands.

Zum ersten Mal wurden Makrophagen in Echtzeit dabei aufgezeichnet, wie sie lebende Krebszellen aufnehmen.

Makrophagen machen häufig einen großen Anteil der Zellen in Melanomtumoren aus, doch bis jetzt war ihre Rolle unklar. Manche Populationen scheinen Tumoren Schutz zu bieten; andere könnten sie unterdrücken. Durch selektives Entfernen CD169-positiver Makrophagen beobachtete das Team ein schnelleres Tumorwachstum, was darauf hindeutet, dass diese Untergruppe am Tumorrand eine schützende Rolle spielt.

Mikroskopaufnahme eines Hautquerschnitts einer Maus mit Melanomtumoren. CD169+ Makrophagen sind in Grün und Gelb dargestellt und bilden eine deutliche Grenze, während sie versuchen, den Krebs lokal einzudämmen.

Warum ist das wichtig? Weil diese CD169-Makrophagen offenbar unabhängig von den üblichen Verdächtigen, den T- und B-Zellen, handeln, auf die sich die meisten Immuntherapien stützen. Sie bilden eine physische und funktionelle Barriere, halten Krebszellen zurück und markieren sie möglicherweise für weitere Immunkräfte.

Die Entdeckung gewann zusätzliches Gewicht, nachdem Mitarbeiter des Melanoma Institute Australia menschliches Gewebe untersuchten und dieselben CD169-positiven Zellen an den Rändern menschlicher Melanome sowie in gesunder Haut fanden. Kurz gesagt: Was das Mikroskop bei Mäusen zeigte, scheint auch beim Menschen vorhanden zu sein.

Stark vergrößerte Ansicht eines menschlichen Melanomtumors. Hier sind die schützenden ‚Hausmeister‘-Immunzellen, die CD169+ Makrophagen (hellgrün und rot hervorgehoben), direkt an den Krebszellen (rosa) positioniert und bereit, sie anzugreifen und aufzunehmen.

Das hat klare klinische Implikationen. Checkpoint-Inhibitoren haben die Behandlung des Melanoms revolutioniert, doch viele Patientinnen und Patienten haben ‚kalte‘ Tumoren, die T-Zellen fernhalten. Lassen sich diese Makrophagen dazu bringen, Verstärkung herbeizurufen? Die Forschenden vermuten, dass Makrophagen nach dem Aufnehmen von Tumormaterial Fragmente auf ihrer Oberfläche präsentieren wie ein biologisches Warnsignal, das möglicherweise T-Zellen anzieht, um den Rest zu übernehmen.

Die nächsten Schritte sind praktisch und ehrgeizig. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen kartieren, wie CD169-Makrophagen mit T-Zellen kommunizieren, und dann herausfinden, wie man sie stärken oder umlenken kann, sei es durch Vermehrung ihrer Zahl, durch Steigerung ihrer Fähigkeit, Krebs aufzunehmen, oder durch Verbesserung, wie sie Tumorbruchteile T-Zellen präsentieren. Stellen Sie sich Therapien vor, die eine bereits vorhandene Immuntruppe mobilisieren, statt eine neue Armee ins Feld zu führen.

Die Entdeckung verändert unsere Sicht auf das Tumormikroumfeld: Es ist nicht nur ein Schlachtfeld zwischen Krebs und T-Zellen, sondern ein Umfeld, in dem ansässige ‚Hausmeister‘ still die Malignität einschränken können. Wenn sich diese unbeachteten Verteidiger gezielt beeinflussen lassen, könnte die Immuntherapie für deutlich mehr Patientinnen und Patienten wirksam werden, und die Strategie könnte sich über das Melanom hinaus auf andere makrophagenreiche solide Tumoren ausdehnen.

Alles begann mit einem flüchtigen Filmchen von Zellen, die unter Glas bewegten. Nun stellt sich die Frage, ob dieses Filmmaterial in Medikamente übersetzt werden kann, die die eigene Frontlinie des Immunsystems mobilisieren.

Quelle: scitechdaily

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