8 Minuten
Tauschen Sie eine Limonade gegen eine andere aus, und vielleicht denken Sie, Sie hätten eine kluge Wahl getroffen. Aber eine umfangreiche neue Studie aus Brasilien stellt eine schärfere Frage: Schieben die kalorienarmen Süßstoffe, zu denen wir greifen, unser Gehirn möglicherweise in Richtung früherer Alterungsprozesse?
Was die Studie herausfand
Forscher verfolgten 12.772 erwachsene Brasilianerinnen und Brasilianer über rund acht Jahre hinweg, protokollierten, was sie aßen und tranken, und beobachteten, wie sich ihre kognitiven Fähigkeiten veränderten. Das Hauptergebnis ist auffällig: Personen, die die höchsten Mengen mehrerer gängiger künstlicher Süßstoffe konsumierten, zeigten einen deutlich schnelleren Rückgang der Punktzahlen in kognitiven Tests als jene mit dem geringsten Konsum. Die Differenz entsprach etwa 1,6 zusätzlichen Jahren kognitiven Alterns für die höchsten Konsumenten im Vergleich zu den niedrigsten.
Das Team untersuchte sieben Süßstoffe, die häufig in kalorienarmen Produkten und ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln vorkommen: Aspartam, Saccharin, Acesulfam-K, Erythrit, Xylit, Sorbit und Tagatose. Von diesen standen sechs mit einem schnelleren Rückgang von Gedächtnisleistung und allgemeiner kognitiver Funktion in Verbindung; Tagatose hob sich als derjenige hervor, der diesen Zusammenhang nicht zeigte. Sorbit hatte unter den Teilnehmenden die höchste durchschnittliche Aufnahme.
Die Unterschiede waren nicht einheitlich über die gesamte Population verteilt. Erwachsene unter 60 Jahren wiesen die deutlichste Assoziation zwischen höherer Süßstoffaufnahme und schlechterer Leistung bei verbaler Flüssigkeit sowie bei Gesamttests der Kognition auf. Das Signal war noch stärker bei Menschen mit Diabetes — einer Gruppe, die eher dazu neigt, Zuckeraustauschstoffe zu verwenden.

Wie die Forschung durchgeführt wurde und was sie bedeutet
Bei Einschreibung füllten die Teilnehmenden detaillierte Ernährungsfragebögen aus, die den habitualisierten Konsum des vorangegangenen Jahres abbildeten. Die Forschenden gruppierten die Personen nach der täglichen Gesamtaufnahme künstlicher Süßstoffe: Die niedrigste Gruppe nahm durchschnittlich etwa 20 mg pro Tag zu sich, die höchste etwa 191 mg pro Tag — ungefähr die Menge Aspartam, die in einer einzigen Dose Diät-Limonade enthalten sein kann. Kognitive Bewertungen wurden in Intervallen während der Studie wiederholt, um Veränderungen in Verarbeitungsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen und Wortfindungsfähigkeit zu verfolgen.
Nach Berücksichtigung häufiger Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Blutdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigte die Gruppe mit dem höchsten Konsum einen um 62 % schnelleren Abfall in zusammengesetzten Messgrößen für Denken und Gedächtnis als die Gruppe mit dem niedrigsten Konsum. Eine Gruppe mit mittlerem Konsum verschlechterte sich ebenfalls schneller als Niedrigkonsumenten, wenn auch weniger stark.
Wichtige Einschränkungen sind zu beachten. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie: Assoziation ist nicht gleich Kausalität. Ernährungsdaten basierten auf Selbstangaben, und die Studie erfasste nicht jeden Süßstoff auf dem Markt oder alle Muster des Konsums ultrahochverarbeiteter Lebensmittel, die sowohl mit Süßstoffnutzung als auch mit Kognition korrelieren könnten. Dennoch blieben die Assoziationen nach multiplen statistischen Adjustierungen bestehen, was die Argumentation für weitergehende Untersuchungen stärkt.
Claudia Kimie Suemoto, MD, PhD, eine der Autorinnen der Studie an der Universität São Paulo, fasste die vorsichtige Schlussfolgerung so zusammen: «Kalorienarme und kalorienfreie Süßstoffe gelten oft als gesunde Alternative zu Zucker; unsere Ergebnisse legen jedoch nahe, dass bestimmte Süßstoffe über die Zeit negative Effekte auf die Gehirngesundheit haben könnten.» Diese Formulierung unterstreicht einen zentralen Punkt — die Resultate wecken Besorgnis, liefern aber keinen endgültigen Beweis.
Ergänzend zur Kernaussage lieferten die Forschenden detaillierte Subgruppenanalysen: Die stärksten Effekte traten bei Teilnehmenden mit bereits bestehenden Stoffwechselerkrankungen auf, und die Assoziationen blieben stabil, wenn man Lebensstilfaktoren wie körperliche Aktivität, Rauchen und Alkoholkonsum mitberücksichtigte. Sensitivitätsanalysen, die verschiedene Definitionsgrenzen für niedrigen, mittleren und hohen Konsum anlegten, zeigten konsistente Richtungen, wenn auch mit variierender Effektstärke.
Warum Neurowissenschaftler und Kliniker aufmerksam sind
Das Gehirn altert unter dem Einfluss vieler Faktoren: vaskuläre Gesundheit, Stoffwechselzustand, Entzündungsprozesse, Lebensstil und Ernährung. Künstliche Süßstoffe interagieren mit mehreren dieser Pfade — sie können das Darmmikrobiom verändern, die Insulinsignalübertragung beeinflussen und das körpereigene Reaktionsmuster auf echten Zucker modulieren. Jeder dieser Mechanismen könnte plausibel zu subtilen Verschiebungen der Kognition über Jahre beitragen, obwohl die vorliegende Studie biologische Mechanismen nicht direkt getestet hat.
Für Kliniker bedeutet die Studie, dass beim Empfehlungsmanagement für Zuckeraustauschstoffe Nuancen gefragt sind, besonders bei mittelalten Patientinnen und Patienten sowie bei Menschen mit Diabetes, die bereits ein erhöhtes Risiko für kognitive Einbußen haben. Die Ergebnisse legen nahe, dass pauschale Empfehlungen für alle Bevölkerungsgruppen unangebracht sein könnten und individuelle Risiko-Nutzen-Abwägungen notwendig sind.
Auf Bevölkerungsebene wirft die Studie eine breitere Frage auf: Wenn viele Menschen Zucker durch Süßstoffe ersetzen, aber weiterhin stark verarbeitete Lebensmittel konsumieren, tauschen wir dann nur ein Risiko gegen ein anderes? Öffentliche Gesundheitsstrategien sollten daher nicht nur einzelne Nährstoffe ins Visier nehmen, sondern auch die Gesamtheit der Ernährungsqualität, Verarbeitungsgrade und Muster des Lebensmittelkonsums berücksichtigen.
Technisch betrachtet gibt es mehrere biologisch plausible Mechanismen, die zukünftige Studien untersuchen sollten:
- Darmmikrobiom: Veränderungen in mikrobiellen Gemeinschaften können systemische Entzündungsreaktionen und Metabolitprofile beeinflussen, die wiederum neurale Funktionen modulieren.
- Insulin- und Glukosestoffwechsel: Modulation der Insulinempfindlichkeit durch Süßstoffe könnte neurovaskuläre Gesundheit und neuronale Energiestoffwechselprozesse beeinflussen.
- Blut-Hirn-Schranke und Neuroinflammation: Chronische, niedriggradige Entzündung kann die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke verändern und neurodegenerative Prozesse begünstigen.
- Verhaltensänderungen und Geschmacksvorlieben: Eine erhöhte Präferenz für Süße kann die Gesamternährung verschlechtern (mehr ultrahochverarbeitete Lebensmittel) und damit kognitive Risiken indirekt erhöhen.
Die Autoren betonen, dass experimentelle, randomisierte Studien sowie mechanistische Laborforschung nötig sind, um zu klären, ob die beobachteten Zusammenhänge kausal sind und wie verschiedene Süßstoffe sich biologisch unterscheiden.
Experteneinschätzung
«Wir brauchen randomisierte kontrollierte Studien und mechanistische Untersuchungen, um über Korrelationen hinauszukommen», sagt Dr. Elena Marquez, Neurologin und Forscherin im Bereich Public Health, die nicht an der brasilianischen Studie beteiligt war. «Doch bis diese Daten vorliegen, ist es vernünftig, ganze Lebensmittel statt ultrahochverarbeiteter Optionen zu bevorzugen — egal, ob diese mit Zucker oder Ersatzstoffen gesüßt sind. Kleine, über Jahre aufrechterhaltene Ernährungsänderungen bringen oft größere Vorteile für das Gehirn als einzelne Nährstofftauschoperationen.»
Als praktische Alternativen zu künstlichen Süßstoffen nennen Fachleute mehrere Ansätze:
- Reduktion des allgemeinen Süßgeschmacks in der Ernährung, um die Geschmackspräferenz langfristig zu verändern.
- Verwendung kleiner Mengen natürlicher Süßstoffe (z. B. Honig, Ahornsirup) im Kontext vollwertiger Lebensmittel, nicht als Freibrief für stärker verarbeitete Produkte.
- Wahl von minimal verarbeiteten Snacks und Getränken, die weniger Zusatzstoffe und versteckte Süßstoffe enthalten.
- Fokus auf Ernährungsmuster mit bewiesenen kognitiven Vorteilen, wie die mediterrane oder DASH-orientierte Kost.
Forschende forderten außerdem, dass künftige Studien andere Zuckeralternativen wie Honig, Ahornsirup und Fruchtpürees untersuchen, um zu verstehen, ob sie unterschiedliche Langzeitfolgen für die Gehirngesundheit haben. Dabei sollten sowohl die chemische Zusammensetzung als auch die Nahrungsmittelmatrix (in welcher Form der Süßstoff konsumiert wird) berücksichtigt werden, da diese Faktoren die metabolische Verarbeitung beeinflussen können.
Aus klinischer Sicht ist die Botschaft differenziert: Die Studie verlangt keine Panik, aber sie regt zum Nachdenken an. Für einzelne Patientinnen und Patienten kann es sinnvoll sein, den Gebrauch künstlicher Süßstoffe zu überdenken, vor allem wenn sie bereits kardiometabolische Risikofaktoren oder kognitive Beschwerden haben. Für die Allgemeinbevölkerung bleibt die Priorität, die Gesamtqualität der Ernährung zu verbessern — weniger ultrahochverarbeitete Produkte, mehr unbehandelte Lebensmittel und ein Maß an Süße, das langfristig tolerierbar ist.
Abschließend reframed die Studie eine vertraute Entscheidung: Sie sagt den Konsumentinnen und Konsumenten nicht, dass sie in Panik geraten sollen, aber sie fordert zum Abwägen auf: Ist eine heute eingesparte Kalorie später ein möglicher kognitiver Preis?
Weitere Forschung ist erforderlich, um zu klären, welche Süßstoffe in welchen Dosen potenziell schädlich sind, ob bestimmte Bevölkerungsgruppen empfindlicher reagieren und wie Verzehrsmuster mit anderen Risikofaktoren interagieren. Bis dahin bleibt die Empfehlung der meisten Expertinnen und Experten, die Gesamternährungsqualität zu verbessern und künstliche Zusätze zu minimieren, sofern dies praktikabel ist.
Wichtige Suchbegriffe und Themen, die in diesem Zusammenhang relevant sind: künstliche Süßstoffe, Aspartam, Acesulfam-K, Erythrit, Sorbit, Xylit, Tagatose, Zuckeraustauschstoffe, ultrahochverarbeitete Lebensmittel, Darmmikrobiom, kognitive Gesundheit, Gehirnalterung, Diabetes und Ernährungsempfehlungen.
Quelle: scitechdaily
Kommentar hinterlassen