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Private Crews sind inzwischen eine regelmäßige Präsenz an Bord der Internationalen Raumstation (ISS), doch 2026 wird eine seltene Lücke darstellen. Nach vier aufeinanderfolgenden privaten Astronauten-Missionen von 2022 bis 2025 hat die NASA den fünften Missionsplatz erneut an Axiom Space vergeben und die nächste Reise vorläufig für Anfang 2027 terminiert.
Diese Serie privater Flüge begann als Experiment zur kommerziellen Zugangserprobung zur niedrigen Erdumlaufbahn und hat sich inzwischen zu einem vorhersehbaren Rhythmus entwickelt: Axiom führte die ersten vier Besatzungen zur Station und transportierte dabei insgesamt 14 Personen, die keine Berufastronauten waren, aber dennoch Forschung und Betrieb in der niedrigen Erdumlaufbahn durchführten. Der nächste Flug, offiziell Axiom Mission 5 (Ax-5), wird dem bewährten Axiom-Skript folgen: vier private Besatzungsmitglieder, ein etwa zweiwöchiger Aufenthalt an der Station und ein Start vom Kennedy Space Center mit einem noch nicht angekündigten Startfahrzeug. Frühere Missionen nutzten SpaceX' Falcon 9 und Crew Dragon; die Historie legt nahe, dass dieses Duo erneut wahrscheinlich ist, doch NASA und Axiom haben weder das Trägersystem noch die Besatzungszusammensetzung offiziell bestätigt.
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Ein zweiwöchiger Aufenthalt im Orbit ordnet Ax-5 zu den kürzeren privaten Besuchen ein. Zum Vergleich: Ax-2 war mit acht Tagen die kurze Ausnahme, während Ax-1, Ax-3 und Ax-4 jeweils im mittleren bis höheren zweistelligen Tagesbereich lagen. Diese Aufenthaltsdauern sind entscheidend: Kürzere Einsätze verringern logistische Komplexität und Kosten, schränken jedoch zugleich das Spektrum möglicher Experimente und die Zeit zur Akklimatisierung der Crew ein — Faktoren, die private Missionsplaner sorgfältig abwägen müssen, wenn sie die wissenschaftlichen und betrieblichen Ziele eines Fluges definieren.
Wie diese Missionen gehandelt und vergeben werden
Eine pragmatische Realität hinter privaten Astronautenmissionen ist der Austausch von Dienstleistungen zwischen der NASA und dem kommerziellen Betreiber. Im Fall von Ax-5 zahlt die NASA Axiom für die Kapazität, wissenschaftliche Proben zurückzuführen, die während des Wiedereintritts und des Transports zur Erde kühl gehalten werden müssen — eine Fähigkeit, die die biologische Integrität und den wissenschaftlichen Wert der Proben bewahrt. Axiom wiederum kauft Verbrauchsmaterialien, Frachtlieferungen, Lagerfläche und tägliche Ressourcen von der NASA. Diese Beschaffungen sind funktional: Sie stützen die Logistik der Lebenserhaltung, das Probenhandling und die Stauung von Hardware an Bord der ISS.
Die finanziellen Details solcher Vereinbarungen sind in der Regel nicht öffentlich; dennoch stellt dieses Modell eine praktikable Methode für Raumfahrtagenturen dar, kommerzielle Partner zu nutzen, während gleichzeitig missionkritische Bedürfnisse sichergestellt werden. Das Verhältnis zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber ist dabei weniger ein klassischer Kauf von Sitzplätzen als vielmehr ein gegenseitiges Leistungsverhältnis: Start-, Rendezvous- und Andockfähigkeiten, an Bord verfügbare Infrastruktur und die sichere Übergabe von Proben und Experimenten sind Teil eines großen Ganzen.
Im operativen Alltag umfassen diese Vereinbarungen konkrete Elemente wie die Bereitstellung spezifischer Gefrierschränke für biologische Proben, das Vorhalten von Strom- und Kommunikationskapazitäten für Experimente sowie die Schulung des privaten Personals in stationseigenen Verfahren. Solche Details sind entscheidend, um sicherzustellen, dass die wissenschaftliche Ausbeute maximal ist und die Integrität von Experimentdaten erhalten bleibt.

Warum beauftragt die NASA wiederholt denselben Anbieter? Erfahrung spielt eine große Rolle. Axiom hat operative Vertrautheit mit ISS-Verfahren aufgebaut, die Integration in Stationssysteme gemeistert und die regulatorische Papierarbeit optimiert, die bemannte Flüge erleichtert. Wiederholte Aufträge reduzieren das Programmriskio — weniger Unbekannte, reibungslosere Übergaben und weniger Überraschungen beim Start und im Orbit. Diese institutionalisierten Abläufe sind für eine Agentur wie die NASA wertvoll, weil sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wissenschaftliche Ziele effizient erreicht werden.
Hinzu kommt, dass langfristige Partnerschaften Skaleneffekte ermöglichen: Prozesse können standardisiert, Checklisten verfeinert und Trainingsprogramme für private Besatzungen optimiert werden. Das spart Zeit und reduziert Fehleranfälligkeit. Aus Sicht der NASA ist die Balance zwischen Wettbewerb (um Innovation und Preisdisziplin zu fördern) und Kontinuität (um Zuverlässigkeit zu sichern) ein zentrales Managementthema bei der Vergabe kommerzieller Missionen zur ISS.
Wo Axiom in den breiteren Trend der kommerziellen Raumfahrt passt
Axiom ist mehr als nur ein reiner Transportdienstleister. Das Unternehmen gehört zu einer kleinen Gruppe von Anbietern, die versuchen, vor dem erwarteten Abschied der ISS Anfang des nächsten Jahrzehnts eine kommerzielle Raumstation in den Orbit zu bringen. In Zusammenarbeit mit Thales Alenia Space plant Axiom einen orbitalen Komplex, der aus zwei Wohnmodulen sowie einem Forschungs- und Fertigungsmodul mit einem erdgerichteten Observatorium bestehen soll. Wenn die Zeitpläne halten, könnten die ersten Module bereits in den nächsten Jahren in den Orbit gelangen, auch wenn Fertigungs- und Zulassungsprozesse für Raumfahrzeuge häufig Verzögerungen unterliegen.
Die geplante kommerzielle Station zielt darauf ab, Forschung, industrielle Fertigung in Mikrogravitation und touristische Nutzung zu kombinieren. Ein klarer Vorteil privater Module ist die Flexibilität in der Nutzung: Unternehmenspartner könnten eigene Forschungslabore betreiben, Pharmaunternehmen könnten Produktionsläufe in Mikrogravitation testen, und Bildungsprogramme könnten Zugang für Studierende und Lehrpersonal ermöglichen. Diese Diversifizierung der Einnahmequellen ist zentral für die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer kommerziellen Raumstation.
Zusätzlich zu den Habitatplänen entwickelt Axiom das AxEMU — einen lunarfähigen Außengeräteanzug, vorgesehen für die Artemis-III-Mission. Ursprünglich als Anzugsystem für Mondspaziergänge konzipiert, wurde das AxEMU später auch für den Vakuumeinsatz bei Weltraumspaziergängen zertifiziert, wodurch sich die potenziellen Einsatzmöglichkeiten erweitern. Durch das gleichzeitige Engagement in Orbital- und Oberflächensystemen positioniert sich Axiom in mehreren Geschäftsbereichen der bemannten Raumfahrt: Transport, Habitatbetrieb und Missionshardware für Oberflächenoperationen.
Diese Mehrdimensionalität unterscheidet Axiom von reinen Start- oder Logistikanbietern. Während einige Unternehmen sich auf den reinen Crew- oder Frachttransport spezialisieren, verfolgt Axiom eine integrierte Strategie, die modulare Orbitalinfrastruktur, maßgeschneiderte Dienstleistungen und auch Hardware für Mondmissionen umfasst. Für Investoren und strategische Partner kann dies den Wert erhöhen, weil Angebote gebündelt und über mehrere Märkte skaliert werden können.
Die Zuweisung von Ax-5 lässt die Tür für die sechste private Astronautenmission offen, die künftig vergeben werden soll. Die NASA hat signalisiert, dass Details zu weiteren Vergaben bald folgen könnten — ein Hinweis darauf, dass mehr Wettbewerb oder eine breitere Basis von Anbietern Teil der nächsten Phase des kommerziellen Zugangs zur niedrigen Erdumlaufbahn werden könnten.

Experteneinschätzung
„Wiederholte Missionen sind ein Proof of Concept“, sagt Dr. Laura Mendel, eine fiktive Systemingenieurin mit zwei Jahrzehnten Erfahrung in der bemannten Raumfahrt. „Wenn ein Betreiber mehrere erfolgreiche private Crews fliegt, verringert das die institutionelle Reibung. Das führt zu verlässlicheren Zeitplänen für wissenschaftliche Rückgaben und zu besser spezifizierten Anforderungen für künftige kommerzielle Stationen. Die nächste Herausforderung besteht darin, aus wiederholten Fährmissionen ein belastbares kommerzielles Ökosystem im Orbit zu entwickeln.“
Dr. Mendel betont dabei mehrere technische und organisatorische Punkte: standardisierte Schnittstellen zwischen Raumfahrzeugen und Station, klare Vertragsregeln für Probenrückführung und Datenteilung, sowie etablierte Notfallprozeduren für private Besatzungen. Solche Details seien oft unspektakulär, aber entscheidend, damit Wissenschaft und kommerzielle Ziele gleichzeitig gedeihen können.
Mit Ax-5 im Kalender werden Beobachter der Branche zwei Hauptziele im Auge behalten: eine reibungslose Startabfolge und anhaltende Dynamik hin zu einem kommerziellen Nachfolger der ISS. Entscheidend ist, ob private Missionen weiterhin als von der NASA unterstützte Brücke in eine privatisierte Orbitalwirtschaft dienen oder ob unabhängige Flüge und neue Betreiber vermehrt eigenständige Geschäftsmodelle etablieren werden. Die kommenden Jahre — und die Starts, die folgen — werden zeigen, welches Modell sich in der niedrigen Erdumlaufbahn durchsetzt.
Aus technisch-logistischer Sicht bleibt die Fähigkeit zur sicheren Probenrückführung ein Wettbewerbsfaktor: Labore an Bord der Station produzieren hochwertige, aber oft temperaturempfindliche Proben. Die Sicherstellung einer ununterbrochenen Kühlkette während Wiedereintritt und Landung erhöht die wissenschaftliche Nutzbarkeit und damit auch den Marktwert kommender Missionen. Betreiber, die diese Kette zuverlässig liefern können, haben im Wettbewerb um Forschungsaufträge und Partnerschaften deutliche Vorteile.
Auch die Ausbildung privater Crewmitglieder spielt eine Schlüsselrolle. Anders als Berufastronauten, die jahrelange Ausbildung und Erfahrung mitbringen, benötigen private Teilnehmer maßgeschneiderte, aber effiziente Trainingsprogramme zu den wichtigsten Systemen an Bord, Notfallprozeduren und zum wissenschaftlichen Arbeiten unter Mikroschwerkraftbedingungen. Anbieter, die standardisierte, aber gründliche Trainingscurricula entwickeln, reduzieren das Missionsrisiko und verbessern die wissenschaftliche Ausbeute.
Schließlich ist die regulatorische Landschaft nicht zu unterschätzen: Lizenzen, Haftungsfragen, medizinische Freigaben und internationale Vereinbarungen beeinflussen, welche Betreiber mit welchen Geschäftsmodellen erfolgreich sein können. Die NASA agiert dabei als Gatekeeper und Partner zugleich — als Behörde, die Sicherheit und wissenschaftliche Integrität gewährleistet, aber auch kommerzielle Nutzung fördert. Dieses Spannungsfeld bleibt ein prägendes Element der Entwicklung privater Raumfahrtaktivitäten.
Quelle: autoevolution
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