Warum Menschen beim Gehen häufiger nach links abbiegen

Warum Menschen beim Gehen häufiger nach links abbiegen

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Stellen Sie sich vor, Sie schlendern über ein Festivalgelände ohne Plan, treiben einfach von Bühne zu Foodtruck. Neigen Sie öfter nach links als nach rechts? Es stellt sich heraus, dass Sie das wahrscheinlich tun und nicht zufällig.

Forscher aus Spanien und Japan gingen einer Frage nach, die während pandemiebedingter Studien zum Abstandhalten entstanden war: Zeigen Menschen, wenn sie frei herumlaufen, eine Präferenz für eine Richtung? Die Antwort war wiederholt und unmissverständlich ja. Eine leichte, aber klare Neigung zur Bewegung gegen den Uhrzeigersinn trat immer wieder auf.

Das Team führte Experimente in verschiedenen Umgebungen und mit unterschiedlichen Personen durch. Geschlossene Hallen, offene Plätze, Gruppen und Einzelpersonen: Das Muster hielt an. Ein aufschlussreiches Experiment platzierte 209 Freiwillige in einem sechseckigen Bereich, der aus Stühlen und Tischen gebildet wurde, und bat sie einfach, sich beliebig zu bewegen. Selbst isoliert von Menschenmengen trat die linksbetonte Tendenz zutage.

Die Versuche wurden in verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Personen und in unterschiedlichen Umgebungen durchgeführt, und die gegen den Uhrzeigersinn gerichtete Tendenz (die Punkte über der Null-Linie) war durchgehend vorhanden. 

Die üblichen Verdächtigen erklärten es nicht. Dominante Hand oder Fuß? Kein Effekt. Biologisches Geschlecht? Kein Effekt. Ein Auge verbinden und die Neigung bleibt bestehen. Das Alter spielte eine kleine Rolle, jüngere Teilnehmende neigten etwas stärker nach links, aber die Studie schloss nur wenige Personen über Mitte 30 ein, sodass unklar bleibt, wie sich dieses Merkmal mit dem Alter verändert.

„Wenn Menschen ohne Ziel laufen, erwartet man Zufälligkeit“, sagt Claudio Feliciani, der bei der Arbeit die ingenieurwissenschaftliche Leitung innehatte, während er an der Universität Tokio tätig war. „Stattdessen fanden wir unter vielen verschiedenen Bedingungen eine messbare Tendenz gegen den Uhrzeigersinn.“

Warum links? Das Team schloss großräumige physikalische Einflüsse wie den Corioliseffekt oder das Erdmagnetfeld als plausible Ursachen aus. Stattdessen deutet die Evidenz auf eine innere Asymmetrie hin, möglicherweise biomechanischer oder neuronaler Natur. Kurz gesagt: Unser Körper oder Gehirn könnte uns subtil dazu veranlassen, eine Drehrichtung zu bevorzugen.

Einzeltests zeigten erneut eine Neigung gegen den Uhrzeigersinn (die Grafiken gruppieren sich rechts der neutralen Null)

Diese linksgerichtete Neigung, klein aber beständig, deutet auf eine zugrundeliegende Asymmetrie in der menschlichen Fortbewegung hin.

Die Entdeckung mag trivial erscheinen, bis man ihre praktischen Auswirkungen bedenkt. Architekten und Evakuierungsplaner gestalten Strömungen für Flughäfen, Stadien, Bahnhöfe und Einkaufszentren, und jede kleine Voreingenommenheit kann beeinflussen, wie Menschenmengen entstehen und wie schnell Räume im Notfall geräumt werden können. Selbst sportliche Traditionen, viele Rennbahnen und Rundkurse laufen gegen den Uhrzeigersinn, könnten diese menschliche Neigung widerspiegeln oder verstärken.

Die nächsten Schritte stehen bereits auf der Agenda. Das Team schlägt Experimente in virtueller Realität vor, um Sinneseindrücke zu isolieren, Studien, die ältere Erwachsene und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen einbeziehen, sowie vergleichende Untersuchungen bei Tieren: Einige Insektenstudien deuteten auf Richtungsneigungen hin, aber Säugetiere und Vögel sind in diesem Kontext bislang weitgehend unerforscht.

In Nature Communications veröffentlicht, rückt die Studie eine alltägliche Handlung, die einfache Entscheidung, in welche Richtung man abbiegt, als Fenster zur menschlichen Bewegung in ein neues Licht. Kleine, beständige Neigungen können tief verwurzelte biologische Muster offenbaren. Wenn Sie also das nächste Mal nach links durch eine Menschenmenge treiben, betrachten Sie es als mehr als Gewohnheit; es könnte ein subtiler Widerhall dessen sein, wie wir zum Bewegen gebaut sind.

Quelle: sciencealert

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