4 Minuten
Eine langfristige schwedische Studie, die dieselben Personen über fast fünf Jahrzehnte verfolgte, zeigt, dass messbare Rückgänge der aeroben Kapazität und der Muskelkraft deutlich früher beginnen als viele erwarten — etwa ab dem 35. Lebensjahr. Die Forschung vermittelt jedoch auch eine hoffnungsvolle Botschaft: Wenn Erwachsene aktiv werden, verbessern sich messbar ihre körperliche Leistungsfähigkeit.
Wie die 47-jährige SPAF-Studie die Fitness über die Zeit verfolgte
Wissenschaftler des Karolinska Institutet begleiteten mehrere hundert zufällig ausgewählte Männer und Frauen, die ursprünglich zwischen 16 und 63 Jahre alt waren, im Rahmen der Swedish Physical Activity and Fitness Study (SPAF). Im Gegensatz zu Querschnittsstudien, die verschiedene Altersgruppen zu einem Zeitpunkt vergleichen, testete SPAF dieselben Teilnehmenden wiederholt über 47 Jahre und liefert damit eine seltene longitudinale Sicht darauf, wie sich Ausdauer, Muskelkraft und körperliche Leistungsfähigkeit im Erwachsenenalter entwickeln.
Veröffentlicht im Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle zeigen die Ergebnisse ein klares Muster: Viele Messgrößen der körperlichen Leistungsfähigkeit erreichen etwa im Alter von 35 Jahren ihren Höhepunkt und beginnen dann einen allmählichen Rückgang. Dieser Rückgang beschleunigt sich im höheren Alter, doch der frühe Beginn — Mitte 30 — war unabhängig vom Trainingsniveau der Teilnehmenden konsistent zu beobachten.

Wesentliche Erkenntnisse und praktische Konsequenzen
Die Studie liefert zwei zentrale Erkenntnisse. Erstens kann die physiologische Alterung der aeroben und muskulären Systeme deutlich früher sichtbar werden als allgemein angenommen, was Auswirkungen auf präventive Gesundheitsmaßnahmen und die öffentliche Kommunikation zur lebenslangen Fitness hat. Zweitens sind die Vorteile von Bewegung nicht auf die Jugend beschränkt. Erwachsene, die ihre körperliche Aktivität während der Studie erhöhten, verbesserten ihre Leistung um etwa 5–10 Prozent — ein relevanter Zuwachs, der Alltagsfunktionen verbessert und das Krankheitsrisiko senken kann. Diese Verbesserungen betreffen sowohl Ausdauer (kardiovaskuläre Fitness) als auch Muskelkraft und sprechen für ausgewogene Trainingsprogramme mit Ausdauer- und Krafttraining.
„Es ist nie zu spät, sich zu bewegen“, sagt Maria Westerståhl, Dozentin am Department of Laboratory Medicine und Erstautorin der Studie. „Unsere Untersuchung zeigt, dass körperliche Aktivität den Leistungsabbau verlangsamen kann, auch wenn sie ihn nicht vollständig stoppen kann. Nun wollen wir die Mechanismen erforschen, warum bei vielen Menschen die Spitzenleistung mit etwa 35 Jahren erreicht wird und wie körperliche Aktivität den Verlust verlangsamt, ohne ihn komplett aufzuhalten.“
Die Forschenden planen eine weitere Nachuntersuchung, wenn die Teilnehmenden etwa 68 Jahre alt sind. Ziel ist es, Veränderungen in der Fitness mit Lebensstil, Gesundheitsverläufen und zugrundeliegenden biologischen Mechanismen wie Muskelstoffwechsel und kardiovaskulärer Funktion zu verknüpfen.
Was das für Einzelne und die Politik bedeutet
- Früh anfangen, aber nicht aufgeben: Regelmäßige Bewegung vor Mitte 30 kann die Spitzenfitness maximieren, doch ein später Beginn führt ebenfalls zu messbaren Verbesserungen.
- Auf Ausdauer und Kraft achten: Die SPAF-Daten heben den Rückgang sowohl der kardiovaskulären Kapazität als auch der Muskelkraft hervor — daher sind ausgewogene Programme mit Ausdauertraining und Krafttraining wichtig.
- Öffentliche Gesundheitsplanung: Die Erkenntnis, dass ein Abfall bereits in den 30ern beginnen kann, sollte frühere präventive Strategien, betriebliche Gesundheitsförderung und lebenslange Bewegungsprogramme fördern.
Kurz gesagt: Die SPAF-Studie verändert unser Verständnis darüber, wann körperliches Altern einsetzt, und bestärkt eine praktische, evidenzbasierte Botschaft: Konstante körperliche Aktivität über das Erwachsenenalter hinweg erhält Leistungsfähigkeit und Lebensqualität — auch wenn ein biologischer Rückgang nicht vollständig zu verhindern ist. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Sportmedizin, Gesundheitsförderung und gezielten Präventionsmaßnahmen zur Erhaltung der körperlichen Fitness, Ausdauer und Muskelkraft über die Lebensspanne.
Quelle: scitechdaily
Kommentar hinterlassen