Mikroplastik in Lebensmitteln: Verborgene Quellen & Tipps

Mikroplastik in Lebensmitteln: Verborgene Quellen & Tipps

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Mikroplastik ist längst nicht mehr nur eine Geschichte über Meeresverschmutzung – es taucht zunehmend unbemerkt in alltäglichen Lebensmitteln und Getränken auf. Aktuelle Forschungen deuten darauf hin, dass die tägliche Aufnahme von nahezu null bis zu über einer Million winziger Plastikpartikel reichen kann, und viele der häufigsten Quellen sind überraschend. Im Folgenden analysieren wir fünf bislang wenig beachtete Lebensmittel‑ und Getränkequellen, erläutern, wie Kontamination entsteht, und geben praktische Schritte zur Reduzierung Ihrer Exposition.

Why tiny plastics are everywhere — a brief scientific context

Mikroplastik sind Kunststofffragmente, die kleiner als 5 Millimeter sind; Nanoplastik ist noch winziger und wird typischerweise als unter 1.000 Nanometer definiert. Diese Partikel entstehen durch den Zerfall größerer Kunststoffgegenstände, Abrieb während der Nutzung oder durch direkte Freisetzung aus Produkten, die Kunststoffkomponenten enthalten. Da Kunststoffe in der Produktion, Verpackung und im Gastronomiebereich weit verbreitet sind, sind die Kontaminationswege vielfältig: von Produktions- und Abfülllinien über Lagerbehälter bis hin zum eigentlichen Vorgang des Kauens, Mahlens oder Aufbrühens.

Die Quantifizierung der menschlichen Exposition ist ein intensives Forschungsfeld. Schätzungen der täglichen Aufnahme durch Nahrung und Getränke variieren stark – von vernachlässigbaren Mengen bis hin zu Studien, die bis zu 1,5 Millionen Partikel pro Tag angeben. Besonders auffällig sind Flaschenwasserproben, die wiederholt hohe Partikelzahlen zeigen und damit zu den bedeutendsten einzelnen Quellen gehören, die bisher identifiziert wurden. Neben Flaschenwasser sind auch Verpackungsmaterialien, Verarbeitungsprozesse und Einwegartikel wichtige Einflussfaktoren.

Five surprising sources of microplastics on your plate

1. Chewing gum: literally chewing plastic

Die meisten modernen Kaugummis enthalten eine Kaubasis aus Polymeren und Elastomeren – also Materialien, die Kunststoffen sehr ähnlich sind. Labortests zeigen, dass die Kaubasis beim Kauen Mikroplastik freisetzt; eine Studie fand heraus, dass bereits ein Gramm Kaugummi bis zu 637 Mikroplastikpartikel abgeben kann. Selbst Produkte, die als „natürlich“ oder pflanzenbasiert beworben werden, können vergleichbare Mengen freisetzen, was darauf hindeutet, dass Kontamination nicht nur aus den Basiszutaten stammt, sondern auch während der Produktion, Verarbeitung oder Verpackung auftreten kann.

Praktischer Tipp: Wenn Sie Kaugummi kauen, kann es helfen, ein Stück länger im Mund zu behalten statt häufig neue Stücke zu verwenden. Gerade in den ersten Kau-Minuten tritt typischerweise ein größerer Schub an freigesetzten Partikeln auf; das längere Verwenden desselben Stücks reduziert diese Anfangsfreisetzung und damit potenziell die kurzzeitige Belastung.

2. Salt: a global contaminant

Salz wirkt auf den ersten Blick einfach, ist aber weit verbreitet mit Mikroplastik kontaminiert. Untersuchungen in zahlreichen Ländern fanden Mikroplastik in etwa 94 % der untersuchten Salzprodukte. Meersalz wird häufig als Indikator für marine Mikroplastikbelastung herangezogen, doch manche terrestrischen Salze – beispielsweise Salze ähnlicher Art wie Himalaya‑Salze – wiesen sogar höhere Kontaminationswerte auf. Das spricht dafür, dass sowohl Umweltbelastungen als auch Produktions‑ sowie Verpackungsprozesse eine Rolle spielen.

Ein weiterer versteckter Vektor sind Einweg‑Gewürz‑ und Salz‑Mühlen aus Kunststoff. In einem Experiment wurden beim Mahlen von nur 0,1 g Salz mit einem Kunststoff‑Mahlwerk bis zu 7.628 Partikel freigesetzt. Um Kontamination zu reduzieren, empfiehlt es sich, auf Mühlen mit Keramik‑ oder Metallmechanik umzusteigen und Salz in Glas- oder anderen nicht‑plastischen Behältern zu lagern. Auch beim Kauf von Salz auf möglichst unverpackte oder in Glas abgefüllte Varianten zu achten, kann die Belastung verringern.

3. Fruit and vegetables: root uptake and surface contamination

Mikroplastik und Nanoplastik können auf der Oberfläche von Obst und Gemüse vorkommen und in bestimmten Fällen über die Wurzeln in Pflanzen eindringen oder durch beschädigtes Gewebe in die Pflanzenkörper gelangen. Studien, die verschiedene Erzeugnistypen vergleichen, zeigen mitunter höhere Konzentrationen auf Äpfeln und Möhren sowie niedrigere Werte bei Blattgemüse wie Salat; die Ergebnisse sind jedoch stark abhängig vom Standort, Bewirtschaftungs‑ und Bewässerungsmanagement sowie den verwendeten Düngemitteln.

Obwohl die absoluten Mengen in ganzen Früchten und Gemüsen im Vergleich zu stark verarbeiteten Lebensmitteln im Allgemeinen gering sind, wirft das Vorkommen von Nanoplastik – Partikeln so klein, dass sie potenziell mit Pflanzenzellen interagieren könnten – wissenschaftliche Fragen zu möglichen biologischen Effekten auf. Aktuelle Studien untersuchen Transportwege im Pflanzengewebe, mögliche Akkumulationen und bioverfügbare Bruchteile. Wichtig ist: Die positiven Effekte von Antioxidantien, Vitaminen und anderen Nährstoffen in Obst und Gemüse überwiegen weiterhin. Experten raten daher, eine vielfältige pflanzenbasierte Ernährung beizubehalten und gleichzeitig an anderer Stelle einfache Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen, um die Gesamtbelastung zu senken.

4. Tea, coffee and hot drinks: heat accelerates release

Heiße Getränke können an mehreren Stellen Mikroplastik aufnehmen: in plastikbeschichteten Einwegbechern, in Plastikteebeuteln und sogar durch Milch oder Zusätze, die kontaminiert sind. Höhere Temperaturen begünstigen das Auswaschen und die Freisetzung von Polymerpartikeln in Flüssigkeiten, weshalb heiße Getränke oft mehr Mikroplastik enthalten als ihre gekühlten Varianten.

Nicht jede Verpackung ist gleich: Glasflaschen für Milch bringen in der Regel weniger Partikel ein als Karton‑ oder Plastikverpackungen, doch in einigen abgefüllten Getränken wurden unerwartete Kontaminationen mit Metalllacken oder Deckelbeschichtungen festgestellt, die ebenfalls Partikel beitragen können. Der Wechsel zu losem Tee, die Auswahl von Marken, die ausdrücklich unbeschichtete oder unplastifizierte Teebeutel (z. B. Baumwoll‑ statt wärmeversiegelte, kompostierbare Varianten) verwenden, sowie die Nutzung wiederverwendbarer Becher aus Metall oder Glas tragen zur Reduktion bei. In einer Studie wurde beispielsweise festgestellt, dass das Brühen einer Tasse Tee mit einem Kunststoff‑Teebeutel um Größenordnungen mehr Mikroplastik freisetzen kann als der Verzehr von filterfressenden Muscheln – ein Vergleich, der die große Variabilität der Quellen veranschaulicht.

5. Seafood: surprising relative risk

Meerestiere dominieren häufig die Berichterstattung über Mikroplastik: Filterfressende Arten wie Muscheln und Austern nehmen kleine Partikel aus ihrer Umgebung auf. Allerdings zeigen Messungen in manchen Meeresfrüchten nur moderate Mengen – Studien berichten beispielsweise etwa 0,2–0,7 Partikel pro Gramm in Filterfressern. Das liegt deutlich unter den enormen Partikelzahlen, die bei manchen verarbeiteten Lebensmitteln oder packaging‑bezogenen Quellen festgestellt wurden.

Dieser Gegensatz bedeutet nicht, dass Meeresfrüchte frei von Risiko sind, aber er macht deutlich, dass eine einseitige Fokussierung auf marine Lebensmittel großen Beiträge zur Exposition außer Acht lassen kann, die aus Verpackung, Verarbeitung und Einwegartikeln stammen. Für Verbraucher ist es daher sinnvoll, nicht nur die Herkunft der Meeresfrüchte, sondern auch die gesamte Lieferkette und Verpackungswahl zu berücksichtigen.

Practical steps to reduce microplastic exposure

Plastik vollständig aus modernen Ernährungsweisen zu verbannen, ist unrealistisch. Mit gezielten Austauschmaßnahmen lässt sich die tägliche Aufnahme jedoch deutlich reduzieren. Die folgenden Empfehlungen kombinieren evidenzbasierte Hinweise mit praxisnahen Tipps zur Minimierung von Mikroplastik in Lebensmitteln und Getränken:

  • Bevorzugen Sie Leitungswasser oder gefiltertes Wasser gegenüber Einweg‑Flaschenwasser, sofern dies sicher und praktikabel ist — in einigen Studien wurden in Flaschenwasser bis zu ~240.000 Partikel pro Liter nachgewiesen.
  • Vermeiden Sie das Erhitzen von Speisen in Plastikbehältern in der Mikrowelle; nutzen Sie stattdessen Glas oder Keramik, um das Auslaugen bei hohen Temperaturen zu reduzieren.
  • Lagern Sie Lebensmittel in Glasbehältern oder Edelstahlboxen statt in Kunststoffdosen, insbesondere fetthaltige oder saure Lebensmittel, die Polymeranteile verstärkt auslaugen können.
  • Verwenden Sie Metall‑ oder Keramik‑Mühlen für Salz und Gewürze; wählen Sie wiederverwendbare Becher für heiße Getränke und losen Tee, wenn möglich.
  • Reduzieren Sie den Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel und von Mahlzeiten in Einwegverpackungen: Studien zeigen eine Korrelation zwischen erhöhtem Konsum verarbeiteter Produkte und höheren Mikroplastik‑Belastungen in Stuhlproben.

Zusätzlich können einfache Verhaltensänderungen helfen: beim Kauf auf unverpackte oder in Glas abgefüllte Waren achten, Kunststoffdeckel vermeiden, Recycling‑ und Entsorgungsgewohnheiten verbessern und Gemeinschaftsangebote wie Unverpackt‑Läden nutzen. Auf Konsumentenebene sind das wirksame Hebel, bis langfristige systemische Lösungen greifen.

Expert Insight

„Die aktuellen Daten zeigen, dass Expositionswege weit verbreiteter sind, als viele Menschen annehmen“, sagt Dr. Elena Vargas, eine Umwelttoxikologin an einem universitären Forschungszentrum. „Wir brauchen sowohl bessere Überwachung — insbesondere für Nanoplastik — als auch praktikable Verbraucher‑Leitlinien. Kleine Verhaltensänderungen, wie das Austauschen von Verpackungsmaterialien und das Vermeiden von Hochtemperaturkontakt mit Kunststoff, können die Exposition merklich verringern, während wir gleichzeitig systemische Lösungen wie verbesserte Herstellungsstandards und die Reduktion von Einwegplastik vorantreiben.“

Conclusion

Mikroplastik ist in viele moderne Lieferketten eingebettet – von der Lebensmittelproduktion über Verpackung bis hin zum Servieren. Während die gesundheitlichen Auswirkungen einer langfristigen, niedrig dosierten Exposition noch intensiv erforscht werden, spricht vieles für pragmatische Maßnahmen zur Begrenzung der Aufnahme: Einwegplastik reduzieren, nicht‑plastische Aufbewahrung und Trinkgefäße wählen und sich bewusst sein, wie Wärme und mechanische Einwirkung (Kauen, Mahlen) die Freisetzung von Partikeln verstärken. Parallel dazu sind politische Maßnahmen, Innovationen der Industrie und verbesserte Kennzeichnung notwendig, damit Verbraucher informierte Entscheidungen treffen können und Wissenschaftler die menschliche Exposition präziser verfolgen können.

Quelle: sciencealert

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