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Eine langfristige schwedische Studie fand eine messbare Assoziation zwischen einem höheren Konsum fettreicher Käsesorten und einem verringerten Risiko, an Demenz zu erkranken. Die Forschung, die Zehntausende von Menschen über etwa ein Vierteljahrhundert verfolgte, bringt neue Nuancen in die Debatte über Milchfett, Gehirngesundheit und diätetische Prävention.
Ein 25-jähriger Blick auf Käse und Kognition
Die Forschenden begleiteten 27.670 Erwachsene, die in der Malmö Diet and Cancer Kohorte eingeschrieben waren, über rund 25 Jahre, um den Zusammenhang zwischen Milchproduktaufnahme und Demenzerkrankungen im späteren Leben zu untersuchen. Während des Beobachtungszeitraums erhielten 3.208 Teilnehmende eine Demenzdiagnose. Die Ernährungsgewohnheiten wurden zu Studienbeginn mit einem 7-Tage-Ernährungstagebuch, einem Lebensmittelhäufigkeitsfragebogen und einem detaillierten Interview zu Zubereitungs- und Essgewohnheiten erfasst – Methoden, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ein feingliedriges Bild des habitualen Verzehrs liefern.
Die Analyse konzentrierte sich auf fettreiche Käsesorten, definiert als Käse mit mehr als 20 % Fettgehalt, wozu Brie, Gouda, Cheddar, Parmesan, Gruyère und viele Mozzarella-Varianten zählen. Teilnehmende, die berichtet hatten, täglich 50 Gramm (etwa 1,76 Unzen) oder mehr fettreichen Käse zu verzehren, zeigten eine geringere Inzidenz von Demenz aller Ursachen als diejenigen, die weniger als 15 Gramm pro Tag aßen. Nach Anpassung für Alter, Geschlecht, Bildungsniveau und allgemeine Ernährungsqualität ergab sich in der Gruppe mit höherem Konsum ein ungefähr 13 % niedrigeres Demenzrisiko.
Bei der Interpretation dieser Ergebnisse sind mehrere Aspekte der Studienmethodik zu beachten: die Größenordnung der Kohorte, die lange Nachbeobachtungszeit und die detaillierten Basisaufnahmen der Ernährung liefern wertvolle epidemiologische Daten, die jedoch—wie bei allen Beobachtungsstudien—einer vorsichtigen Deutung bedürfen.
Welche Milchprodukte waren relevant — und welche nicht
Der schützende Zusammenhang schien spezifisch für fettreiche Käsesorten zu gelten. Für fettarme Käsevarianten, Milch, fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Kefir sowie Sahne wurde kein ähnlicher Zusammenhang beobachtet. Butter zeigte in der Analyse uneinheitliche Signale; in einigen Vergleichen war ein hoher Butterkonsum mit einem möglichen Anstieg des Alzheimer-Risikos verbunden im Vergleich zu Personen, die keine Butter konsumierten.
Diese Differenzierung nach Milchprodukttypen ist wichtig für die Frage, welche Bestandteile von Milchprodukten potenziell neuroprotektive Effekte zeigen könnten und welche eher mit kardiovaskulären Risiken in Verbindung stehen. Sie unterstreicht außerdem, dass nicht alle Milchprodukte gleich zu behandeln sind, wenn es um Schlagworte wie "Milchfett" und "Gesundheit" geht.

Beobachtungsbefunde richtig interpretieren
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Assoziation und Kausalität: Die Studie berichtet über einen statistischen Zusammenhang, nicht über den Beweis, dass der Verzehr fettreichen Käses Demenz verhindert. Beobachtungsstudien können Korrelationen aufdecken, aber kausale Schlussfolgerungen sind aufgrund möglicher Störfaktoren nicht beweisbar. Faktoren wie lebenslange Lebensstiländerungen, sozioökonomischer Status, andere Ernährungsbestandteile und gesundheitliche Komorbiditäten können die Ergebnisse beeinflussen und müssen berücksichtigt werden.
Wie Tara Spires-Jones, Division Lead am UK Dementia Research Institute (die nicht an der Studie beteiligt war), warnte: Die zu Studienbeginn erhobenen Ernährungsdaten liegen oft 25 Jahre vor den Demenzdiagnosen und spiegeln möglicherweise nicht die gesamten Ernährungsgewohnheiten während des Beobachtungszeitraums wider. Essgewohnheiten, körperliche Aktivität, Medikationen und andere Risikofaktoren können sich über Jahrzehnte deutlich verändern, sodass eine einmalige Erhebung nur eine begrenzte Aussagekraft für lebenslange Muster hat.
Warum könnte fettreicher Käse einen Nutzen zeigen?
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen mehrere mögliche Mechanismen, doch keiner ist bislang abschließend belegt. Fettreiche Käsesorten konzentrieren fettlösliche Vitamine und bioaktive Verbindungen, die während der Fermentation entstehen. Zu diesen Kandidaten zählen Vitamin K2 (Menaquinon), bestimmte Fettsäuren, konjugierte Linolsäuren sowie peptides, die bei der Fermentation gebildet werden und entzündungsregulierende oder vaskuläre Wirkungen haben könnten.
Vitamin K2 etwa wird in der Literatur mit Gefäßgesundheit und Calciumstoffwechsel in Verbindung gebracht; experimentelle Studien legen nahe, dass es Auswirkungen auf Gefäßverkalkung und möglicherweise auf neurovaskuläre Mechanismen haben könnte. Fermentationsprodukte enthalten zudem spezifische Mikrobiota und Metaboliten, die über die Darm-Hirn-Achse systemische Effekte entfalten und Entzündungsprozesse sowie Neurotransmitter-Systeme beeinflussen könnten. Einige Fettsäuren in gereifterem Käse unterscheiden sich biochemisch von solchen in unverarbeiteten Milchprodukten, was die metabolischen Folgen beeinflussen kann.
Gleichzeitig sind alternative Erklärungen plausibel: Der Konsum von Käse könnte als Marker für andere protektive Verhaltensweisen dienen, einen bestimmten kulturellen Ernährungsstil widerspiegeln oder mit sozioökonomischen Parametern assoziiert sein, die wiederum mit einem geringeren Demenzrisiko verknüpft sind. Die Studienautoren fordern deshalb mechanistische Forschung und wiederholte Ernährungsaufnahmen über die Lebensspanne, um besser beurteilen zu können, ob der Käse selbst oder begleitende Faktoren für den beobachteten Effekt verantwortlich sind.
Öffentliche Gesundheitskontexte und Bedeutung für Individuen
Demenzerkrankungen betreffen weltweit Millionen von Menschen: Schätzungen gehen davon aus, dass 2021 etwa 57 Millionen Menschen mit Demenz lebten, mit rund 10 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr. Prognosen deuten darauf hin, dass die globale Zahl der Erkrankten bis 2050 auf bis zu 153 Millionen steigen könnte. Da wirksame kurative Therapien begrenzt sind, rückt die Prävention über modifizierbare Risikofaktoren wie Ernährung, körperliche Aktivität und kardiovaskuläres Risikomanagement zunehmend in den Fokus der Forschung und der Gesundheitspolitik.
Ernährungsweisen wie die MIND-Diät — eine Kombination aus mediterraner Kost und DASH-Diät — haben in mehreren Studien potenzielle Vorteile für die Gehirngesundheit gezeigt, auch wenn die Evidenzlage nicht durchgehend konsistent ist. Die neuen schwedischen Befunde legen nahe, dass bestimmte fettreiche Milchprodukte möglicherweise nicht das kognitive Risiko darstellen, das ihnen früher unterstellt wurde. Das Ergebnis ist jedoch keine allgemeine Ernährungsempfehlung. Individuen sollten mögliche Vorteile gegen etablierte Risiken abwägen, insbesondere in Bezug auf gesättigte Fettsäuren und das kardiovaskuläre Risiko.
Im öffentlichen Gesundheitskontext ist wichtig zu betonen, dass eine isolierte Ernährungsempfehlung—etwa mehr fettreichen Käse zu essen—ohne Berücksichtigung des Gesamtkontexts wenig hilfreich ist. Ein ganzheitlicher Ansatz zur Demenzprävention umfasst Blutdruckkontrolle, Bewegungsförderung, Verzicht auf Tabak, Gewichtsmanagement, adäquate Behandlung von Diabetes und Dyslipidämien sowie eine Ernährungsweise, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln, Ballaststoffen, ungesättigten Fettsäuren und moderat in verarbeiteten Lebensmitteln ist.
Expertinnen- und Experteneinschätzung
„Die Studie ist wegen ihrer langen Beobachtungsdauer und der großen Kohorte wertvoll“, sagt Dr. Maria Jensen, klinische Ernährungswissenschaftlerin. „Gleichzeitig ist ein einmaliger Ernährungs-Snapshot zu Studienbeginn ein schwacher Surrogatmarker für lebenslange Muster. Sollten zukünftige Untersuchungen—idealerweise randomisierte Studien oder wiederholte, langfristige Ernährungsbefragungen—einen protektiven Effekt bestätigen, müssen wir klären, welche Komponenten des Käses verantwortlich sind und wie diese sicher in ausgewogene Ernährungspläne integriert werden können.“
Das Forschungsteam der Lund University, geleitet vom Ernährungsepidemiologen Yufeng Du mit Interpretationshilfe von Emily Sonestedt und Kolleginnen und Kollegen, veröffentlichte die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Neurology und betonte die Notwendigkeit gezielter mechanistischer Studien sowie longitudinale Messungen, um kausale Pfade besser zu verstehen.
Bis dahin lautet die vorsichtige Schlussfolgerung: Fettreicher Käse könnte in dieser großen schwedischen Kohorte mit einem moderat niedrigeren Demenzrisiko assoziiert sein, doch es handelt sich nicht um ein Allheilmittel. Ein ganzheitlicher Präventionsansatz—Blutdruckmanagement, körperliche Aktivität, Rauchverzicht und eine ausgewogene Ernährung—bleibt die am besten belegte Strategie zur Reduktion des Demenzrisikos.
Für praktizierende Ärztinnen und Ärzte, Ernährungsberaterinnen und Gesundheitsfachkräfte bietet diese Studie wertvolle Hinweise, die in die individuelle Beratung einfließen können: Empfehlungen sollten individuell angepasst sein, kardiovaskuläre Risikofaktoren berücksichtigen und patientenzentriert erfolgen. Bei Personen mit hohem kardiovaskulärem Risiko oder bestehenden Fettstoffwechselstörungen dürfte eine vorsichtigere Haltung gegenüber erhöhtem Verzehr gesättigter Fette weiterhin angebracht sein.
Forschungsperspektiven, die sich aus dieser Arbeit ergeben, sind vielfältig: randomisierte kontrollierte Studien mit klar definierten Käseinterventionen, metabolomische Untersuchungen zur Identifikation potenziell wirksamer Milchprodukt-Metaboliten, Tiermodelle zur Untersuchung neuronaler Mechanismen und Studien, die wiederholte und objektivierte Ernährungsmessungen über die Lebensspanne nutzen. Solche Ansätze würden die in Beobachtungsstudien gefundenen Assoziationen untermauern oder entkräften und könnten zugleich neue Zielstrukturen für Prävention oder Arzneimittelentwicklung offenlegen.
Zusammenfassend liefert die schwedische Langzeitbeobachtung wichtige Impulse für die Erforschung von Ernährung, Lactoferrinen, Mikrobiom-Effekten und vaskulären Mechanismen in der Demenzprävention. Leserinnen und Leser sollten die Ergebnisse als Teil eines komplexen Evidenzbildes verstehen: Ernährung kann einen Beitrag zur Hirngesundheit leisten, doch die beste Strategie bleibt multidimensional und evidenzbasiert.
Quelle: sciencealert
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