Warum sich Kälte wie „in den Knochen“ anfühlt – Ursachen

Warum sich Kälte wie „in den Knochen“ anfühlt – Ursachen

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Du sagst es jeden Winter: „Ich fühle die Kälte in den Knochen.“ Das ist eine volkstümliche Klage, ein geteiltes Schaudern und — wie sich zeigt — nicht völlig poetisch oder völlig falsch. Das, was Menschen als Kälte, die ins Skelett eindringt, beschreiben, ist ein Zusammenspiel physiologischer Reaktionen von Haut, Nerven, Blutgefäßen und Bindegewebe. Was sich wie ein einzelner, tiefer Frost anfühlt, ist in Wirklichkeit das Zusammenwirken des Thermoregulationssystems des Körpers, der mechanischen Eigenschaften des lokalen Gewebes und der Signalübertragung im Nervensystem.

Wie Luft, Luftfeuchte und Bekleidung den Wärmefluss verändern

Kaltes Wetter greift die Knochen nicht direkt an. Es verändert zunächst den dünnen Film warmer Luft, der an der Haut haftet. In feuchten Klimazonen, wie ein großer Teil des Vereinigten Königreichs, entfernt die Feuchtigkeit in der Atmosphäre diese isolierende Schicht schneller und überträgt Wärme effizienter nach außen. Stoffe, die durch feuchte Luft oder Schweiß durchtränkt sind, leiten Wärme vom Körper weg; Wasser leitet Wärme etwa 70-mal schneller als Luft — eine einfache physikalische Tatsache, die erklärt, warum feuchte Kälte als besonders brutal empfunden wird.

Menschen funktionieren am effizientesten in der Nähe von 37 °C. Periphere Gewebe — Finger, Zehen, Ohren — sind typischerweise einige Grad kühler, und individuelle Basistemperaturen variieren mit Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand. Ältere Menschen empfinden Kälte oft intensiver; Frauen berichten häufig über eine höhere Kälteempfindlichkeit als Männer. Diese Unterschiede beeinflussen, wie schnell die warme Luftschicht um die Haut verloren geht und wie rasch Zittern oder verhaltene Anpassungen einsetzen, um die Kerntemperatur zu erhalten.

Mehrere zusätzliche Faktoren steuern den Wärmeverlust an der Hautoberfläche:

  • Luftbewegung (Windchill): Erhöhte Konvektion entfernt die isolierende Luftschicht schneller.
  • Material und Passform der Kleidung: Eng anliegende, atmungsaktive Schichten speichern stillstehende Luft besser als schwere, nasse Stoffe.
  • Feuchtigkeitsmanagement: Funktionskleidung, die Feuchtigkeit vom Körper ableitet, reduziert Wärmeverlust gegenüber Baumwolle, die Feuchtigkeit speichert.

Die Wahl der Kleidung, das Schichtenprinzip (Layering) und die Reduktion von Nässe sind daher entscheidend, um den isolierenden Luftfilm zu erhalten und Wärmeableitung zu begrenzen.

Warum Knochen beteiligt scheinen: das Periost und Schmerzsignale

Knochen selbst besitzen nicht die dichte Ansammlung temperaturfühliger Rezeptoren wie die Haut, was Sinn ergibt: Die meisten Knochen liegen unter Schichten aus Muskel, Fett und Bindegewebe. Doch die äußerste Knochenhaut, das Periost, ist reich innerviert. Man kann sich ein feines Netz sensorischer Nerven vorstellen, das die Oberfläche des Knochens umgibt; diese Neuronen erkennen Deformation, Verletzung und Veränderungen mechanischer Belastung. Wenn Bindegewebe sich bei Kälte zusammenziehen und Gelenke steifer werden, verändern sich die mechanischen Eingaben an die Periost-Nerven, die scharfe oder dumpfe Empfindungen an das Gehirn weiterleiten können.

Der Schmierstoff der meisten großen Gelenke wird bei sinkenden Temperaturen zähflüssiger.

Synovialflüssigkeit, das viskose Medium, das die Gelenkbewegung erleichtert, wird bei fallenden Temperaturen träger. Sehnen und Bänder versteifen. Muskeln erzeugen bei niedrigen Temperaturen weniger Kraft und benötigen mehr Aufwand, um denselben Bewegungsumfang zu erreichen. Zusammengenommen erhöhen diese mechanischen Veränderungen die Belastung von Rezeptoren in und um den Knochen, was das Nervensystem als Schmerz oder Unbehagen interpretieren kann — Empfindungen, die Menschen als "tief" oder "in den Knochen" beschreiben. Eine reduzierte lokale Durchblutung verstärkt diesen Effekt: Vasokonstriktion leitet Wärme in Richtung Körperkern um, um lebenswichtige Organe zu schützen, wodurch die Extremitäten kälter und schlechter perfundiert bleiben.

Außerdem können chronische Veränderungen wie Arthrose, entzündliche Gelenkerkrankungen oder frühere Verletzungen die Empfindlichkeit der Periost- und Gelenksensoren erhöhen. Bei solchen Vorerkrankungen reagiert das System empfindlicher auf die mechanischen Veränderungen, die Kälte hervorruft, und dadurch werden Schmerzen wahrscheinlicher.

Vitamin D, Stimmung und die Wahrnehmung von Kälte

Saisonale Unterschiede im Sonnenlicht verändern subtil, wie Kälte empfunden wird. Sonnenlicht stimuliert die Vitamin-D-Synthese in der Haut; in dunkleren, bewölkten Monaten produzieren viele Menschen weniger Vitamin D. Klinisch ist ein Vitamin-D-Mangel mit schlechterer Knochengesundheit und Erkrankungen wie Rachitis und Osteomalazie verbunden, aber er scheint auch die Schmerzsensitivität zu beeinflussen. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel mit erhöhten muskuloskelettalen Schmerzen korrelieren. Die Rolle des Vitamins in der Modulation des Nervensystems — und in der Stimmungslage — bedeutet, dass ein Mangel verändern kann, wie Menschen Unbehagen erleben und tolerieren.

Grau verhangene Himmel bewirken mehr als nur eine Verringerung der Vitamin-D-Produktion. Sie verändern Stimmung und Erregungsniveau und können bei anfälligen Personen Angst- oder Depressionssymptome verstärken. Solche Veränderungen können die Temperaturtoleranz senken, sodass feuchte, dunkle Kälte oft härter empfunden wird als dieselbe Temperatur bei hellem Sonnenschein. Kurz gesagt: Ein sonniger, trockener Tag mit 2 °C fühlt sich weniger durchdringend an als ein feuchter, trüber Tag mit 6 °C.

Zusätzlich beeinflussen Schlaf, Ernährung und chronische Entzündungszustände die Empfindlichkeit gegenüber Kälte. Niedrige Kalorienzufuhr oder Dehydratation kann die Thermogenese beeinträchtigen, während entzündliche Marker die neuronale Sensitivität modulieren und so Kälteschmerz verstärken können.

Praktische Physiologie: Was hilft und warum

Verhaltens- und Ernährungsentscheidungen sind wichtig. Layering fängt isolierende Luft neben dem Körper ein; Bewegung erzeugt metabolische Wärme und verbessert die Durchblutung der Extremitäten; zusätzliche, angemessene Kalorien versorgen die thermogenen Prozesse, die die Körpertemperatur erhöhen. Aus medizinischer Sicht ist die Empfehlung klar: Erhalte die Kerntemperatur, halte periphere Gewebe in Bewegung und kläre bestehende Gelenkerkrankungen oder einen Vitamin-D-Mangel, die Beschwerden verstärken könnten.

Konkrete, praktikable Maßnahmen:

  • Mehrlagige, atmungsaktive Kleidung verwenden (Basisschicht, Isolationsschicht, Wetterschutz).
  • Auf feuchtigkeitsableitende Materialien achten — nasse Kleidung schnell wechseln.
  • Aktiv bleiben: regelmäßige kurze Bewegungsphasen verbessern Durchblutung und Gelenkbeweglichkeit.
  • Gezielte Übungen zur Mobilität von Gelenken, Kräftigung und Dehnung von Muskeln, Sehnen und Bändern.
  • Auf ausreichende Kalorien- und Flüssigkeitszufuhr achten, besonders bei kaltem Wetter.
  • Vitamin-D-Spiegel im Blut bei Bedarf medizinisch kontrollieren und bei Mangel behandeln lassen.

Kernwarm halten, aktiv bleiben und gesunde Vitamin-D-Werte aufrechterhalten verringern die Schmerzen und Steifheit, die Menschen häufig den „kalten Knochen“ zuschreiben.

Aus klinischer Sicht lohnt es sich auch, chronische Erkrankungen wie Arthrose, rheumatoide Arthritis oder periphere Durchblutungsstörungen zu diagnostizieren und gezielt zu behandeln, weil diese Zustände die Kälteempfindung deutlich verstärken können. Physiotherapie, Gewichtsmanagement und angepasste Schmerztherapien sind wirksame Ergänzungen zu einfachen Verhaltensmaßnahmen.

Fachliche Einschätzung

„Der Ausdruck ‚in den Knochen‘ fasst eine geschichtete biologische Antwort zusammen“, sagt Dr. Emily Carter, eine fiktive Professorin für Humanphysiologie mit 20 Jahren klinischer und Forschungserfahrung. „Das Gefühl ist selten eine direkte Empfindung aus dem Knochengewebe. Es sind das Periost, die Gelenksmechanik und die Gefäßreaktionen, die sich bei Temperaturabsenkung verändern, und diese Veränderungen werden als Unbehagen an das Gehirn weitergeleitet. Behandle das System — Zirkulation, Schmierung und Muskeltonus — und die Empfindung verbessert sich in der Regel.“

Dr. Carter ergänzt, dass einfache Interventionen überraschend wirksam sind: „Trage atmungsaktive Schichten, die Luft einschließen, bleibe mobil, auch mit kurzen Spaziergängen, und wenn du in einer sonnenarmen Region lebst, lasse deinen Vitamin-D-Spiegel von einer medizinischen Fachkraft prüfen.“

Die biomedizinische Forschung verfeinert fortlaufend unser Verständnis darüber, wie Temperatur, Hydratation und Mechanik des Bindegewebes auf mikroskopischer Ebene interagieren. Laufende Studien untersuchen, wie periphere Nervenendigungen im Periost Schmerz modulieren und ob gezielte Therapien kalzifizierte, kälteinduzierte muskuloskelettale Schmerzen reduzieren können, ohne die schützenden thermoregulatorischen Reaktionen des Körpers zu dämpfen.

Neuere Untersuchungen befassen sich mit folgenden Fragestellungen:

  • Wie verändern sich ionische Ströme in peripheren Nozizeptoren bei niedrigen Temperaturen?
  • Welche Rolle spielen entzündliche Zytokine bei der Verstärkung von Kälteempfindungen in bereits krankhaften Gelenken?
  • Inwieweit kann lokale Wärmetherapie oder gezielte Neuromodulation Schmerzen reduzieren, ohne die normale Vasokonstriktion zu beeinträchtigen?

Kälte kann persönlich und unausweichlich erscheinen. Doch das Gefühl signalisiert meist eine orchestrierte physiologische Reaktion und nicht ein direktes Eindringen von Kälte ins Knochenmark — und das bedeutet, dass praktische Maßnahmen oft einen großen Unterschied machen können. Probiere die genannten Strategien in dieser Saison aus und beobachte, ob diese vertraute Klage mehr zur Anekdote als zur Beschwerde wird.

Weiterführende Quellen und Hinweise: Zahlreiche Übersichtsarbeiten aus den Bereichen Thermoregulation, Rheumatologie und Schmerzforschung bieten vertiefende Einblicke. Für individuelle medizinische Beratung ist die Konsultation einer Ärztin oder eines Arztes ratsam, insbesondere bei chronischen Gelenkschmerzen oder Verdacht auf Vitamin-D-Mangel.

Quelle: sciencealert

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